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Yucca x karlsruhensis

www wuestengarten.at
 

Der Bau unseres Wüstengartens

Für diesen Namen ist der Garten zwar viel zu üppig, aber „mediterraner Garten“ hat sich nicht durchgesetzt!

Da unser Grundstück auf der Südseite eines recht trockenen Hanges liegt, war es nicht weit bis zur Idee eines Gartens mit wärme- und trockenheitsliebenden Pflanzen. Ich sammelte bereits im Laufe des Jahres 2003 viele Pflanzen, die ich verwenden wollte und die den Rahmen für die Bepflanzung bilden sollten. Für einen guten Gartengestalter ist die Pflanzenauswahl zwar eine der letzten Arbeiten, aber für einen Pflanzenliebhaber wie mich war es wichtig bestimmte Pflanzen unterzubringen. Der Garten wurde dann einfach den Pflanzen nach geplant. Sortenvielfalt ist mir ein großes Anliegen, man könnte fast sagen ich bin davon besessen möglichst viele ausgefallene Pflanzen zu kultivieren.

Nun begann ich - es war wohl schon Ende September – die Pflanzflächen mit Herbizid zu behandeln.
Weide für Rinder
Bis Dato war dort nur eine Weide und eine verwaiste Atlaszeder, die ich ein Jahr zuvor gepflanzt hatte.
Vorbereitung mit Herbizit
Erst im März des folgenden Jahres zeigte sich die gute Wirkung des Herbizides.

Da ich zur selben Zeit auch am sogenannten „Schattengarten“ arbeitete konnte ich mit dem Wüstengarten erst Mitte Mai beginnen. Die Erde wurde aufgefräst und das Gelände modelliert.
Auf den Wegen und den Pflanzflächen für die Kakteen habe ich die gesamte Humusschicht entfernt und auf die restlichen Beete verteilt. Dies hielt ich für notwendig, weil hier die obere Erdschicht sehr dünn ist. Bereits nach etwa 30 cm stoßt man auf morschen Fels.

Da dieser Boden sehr durchlässig ist verzichtete ich auf eine Drainageschicht für die Kakteenbeete.
Wüstenbeet 1 in Bau
Als Substrat verwendete ich gewaschenen Putzsand 0-4 mm.

Grundsätzlich habe ich immer versucht mit möglichst billigen Mitteln zum Ziel zu kommen, darum verwendete ich größtenteils Materialien aus der unmittelbaren Umgebung. Ich mischte noch etwas Aushuberde in die oberste Schicht Sand um eine bessere Nährstoffversorgung sicherzustellen. Nun konnte es ans pflanzen gehen!

Doch noch in der selben Woche, ging ein Unwetter nieder und verwüstete (wie passend!) den Garten. In der selben Nacht kam es auch zu Wildschäden durch Rehe. Selbst eine Cylindropuntia imbricata wurde umgefegt!
Unwetter und Wildschaden
Unwetter 13. Juni 2004
Daraufhin baute ich in die Wege Sickerschächte und Drainagen ein.
Drainagebau
Da jedoch von der oberhalb liegenden Wiese das Wasser auf unser Grundstück floss, konnte nur eine Regenrinne an der Grundstücksgrenze Abhilfe schaffen. Leider kam es noch zweimal zu solchen Abschwemmungen bis ich das Problem im Griff hatte.

Ursprünglich hatte ich gehofft ohne Zaun auszukommen, dies war aber ein großer Irrtum. Deshalb habe ich einen rustikalen Zaun aus alten Brettern und Fichtenstangen gebaut. Dazwischen spannte ich Stacheldraht - was, wie ich meine - sehr gut zu den Kakteen passt.

Anfangs sieht alles sehr spärlich aus. Vor allem die Opuntien, die teilweise noch als unbewurzelte Stecklinge in die Erde kamen. Die meisten Opuntien sollten mindestens einen halben Quadratmeter Fläche erhalten!
Sommer 2004
Doch bereits im Herbst 2004 konnte ich dieses Foto aufnehmen:
Sommer-032.1
Dieser Garten wurde weder gegossen noch gedüngt.

Die Pflanzflächen und Wege habe ich mit „Abräumer“ aus einem nahegelegenen Steinbruch bedeckt. Hierbei handelt es sich um die obere, verwitterte Schicht Gestein, welches nicht ganz frostfest ist und deshalb nicht verwendet wird. So ist es billig in der Anschaffung und sieht durch die unterschiedliche Körnung sehr natürlich aus. In meinem Fall handelt es sich um eine Art Gneis.

Leider enthält dieses Material sehr viel Feinanteil, weshalb es lange feucht bleibt. Aus diesem Grund habe ich es nicht bei empfindlichen Kakteen wie Echinocereen verwendet. Hier brachte ich nur größere Steine auf und füllte die Zwischenräume mit Quarzsand.
Beet 1 mit Quarzsand
Das sah zwar sehr schön aus, aber leider klebt der Quarzsand an den Kakteen und schwemmt sehr leicht aus.

Nur viele Opuntien, welche ohne Regenschutz im Winter problemlos gedeihen, bleiben mit dem Abräumer- Material abgedeckt. Grundsätzlich sollte beim Abdeckmaterial – gleich wie beim Substrat – darauf geachtet werden, das keine kalkhältigen Materialien verwendet werden.
Das Substrat sollte leicht sauer reagieren, etwa 6-6,5 pH, was für nahezu alle Pflanzen zuträglich ist.

Mir sind keine Kakteen bekannt, die unbedingt Kalk verlangen, sondern aufgrund ihrer natürlichen Herkunft eher nur Kalk vertragen. Trotzdem währe es sicher kein Schaden, bei Kalkstein bewohnenden Kakteen oder auch bei einigen Mittagsblumengewächsen, Kalksteinsplitt um die Pflanze aufzutragen oder unter das Substrat zu mischen. Alternativ kann auch zerstoßener, alter Mörtel verwendet werden. Um die Pflanzen mit Kalzium zu versorgen ohne den pH-Wert zu erhöhen, bietet sich Gipsgestein an. Leider hat sich mir bisher keine Bezugsquelle dafür aufgetan.

Bereits im August 2004 musste ich aus Platzmangel ein zweites Kakteenbeet anlegen, welches im September 2005 noch einmal beträchtlich vergrößert wurde.
Aushub Beet 2
Dieses Beet wurde nun sicherheitshalber mit einer Drainageschicht ausgestattet.
Steine als Drainage
Als Substrat verwendete ich von nun an gewaschenen Estrichsand mit einer Körnung von 0/8mm. Abgesehen vom dunklen Serpentin aus Rumpersdorf im Burgenland wurden nur Steine aus der unmittelbaren Umgebung verwendet.
Beet 2
Hier bin ich bei meiner Lieblingsbeschäftigung zu sehen: dem Einpflanzen!
Pflanzarbeit
Ohne größere Solitärpflanzen sieht eine Neuanlage recht langweilig aus. Man muss aber nicht immer teure Großpflanzen kaufen, viele Yuccas und Opuntien entwickeln sich sehr rasch zu ansehnlichen Exemplaren.
Juni 2009
Als Abdeckmaterial diente von nun an Quarzkies, den ich im Frühjahr 06 auch auf die alten Kakteenbeete aufgebrachte.
Beet 2 mit Quarzkies, 2005
Einige kleinere Beete sind nach und nach dazugekommen.
 Einige Teilflächen wurden zur Abwechslung mit Serpentinsplitt und Holzkohle abgedeckt. Auch Rinde wurde in der hinteren Ecke unter den Gehölzen verwendet.
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Das im August 2007 angelegte Beet Nr.3 ist mit braunen Erzsplitt bedeckt worden.
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Ich hoffe Ihnen hat der Bericht über den Werdegang des Wüstengartens gefallen.

Gerhard Gußmagg

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© Gerhard Gußmagg 2008-2017